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Bunker am Ende
Eine neue Notunterkunft in Hannover-Lahe soll 76 Plätze für drogensüchtige Obdachlose bieten. Der umstrittene Bunker in der Celler Straße wird dann ausgedient haben.
Die letzten Nächte im umstrittenen Obdachlosen-Bunker (Foto) an der Celler Straße sind angebrochen. Auslöser ist ein Neubau für wohnungslose Drogenabhängige in Lahe, der die Unterkunftslandschaft der Landeshauptstadt in Bewegung bringt. Am Ende eines Rotationsprozesses könnte dann die Schließung des Bunkers stehen, der im vergangenen Jahr bundesweit Negativschlagzeilen machte.
Die Stadt Hannover verhandelt derzeit mit der Johanniter Unfall Hilfe (JUH) über den Neubau einer neuen Süchtigenunterkunft in der Kirchhorster Straße in Lahe. Wenige Meter davon entfernt betreibt die JUH bereits seit 25 Jahren einen Containerstandort mit Plätzen für 50 wohnungslose Drogenabhängige. Weil diese dauerhaften Behelfsunterkünfte mittlerweile marode sind, erwägt die JUH nun Abriss und Neubau. Die Plätze sollen dann sogar auf 76 aufgestockt werden. Steht der Neubau mit der erhöhten Platzzahl, wäre die Stadt frei, den bisher ebenfalls für drogenabhängige Wohnungslose genutzten Container auf dem Hof der ehemaligen Schule Wörthstraße in Vahrenwald umzunutzen. Zum Nachtnotquartier, wie derzeit den außen bunten, innen aber scheußlichen Bunker in der Celler Straße.
Im Frühjahr 2009 hatte der Bunker bundesweit traurige Berühmtheit erlangt: Der Kölner Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hatte sich für die Wochenzeitung „Die Zeit“ im vergangenen Februar als Obdachloser ausgegeben, eine Nacht im Bunker verbracht und anschließend die dortigen Zustände als unerträglich beschrieben. Er war von einem anderen Obdachlosen gefährlich bedroht worden und konnte nicht fliehen, weil die Bunkertür verschlossen war. Die Stadt hatte zwar versichert, dass die Tür immer offen sei, doch wurde das in der Praxis aus Angst vor Diebstählen oft anders gehandhabt. Echte Obdachlose, Diakonisches Werk und Asphalt hatten bereits Jahre zuvor immer wieder die Zustände im Bunker kritisiert. Die politische Diskussion um den Bunker wurde nach Auskunft von Stadtsprecher Dennis Dix dennoch erst von Wallraffs Bericht angestoßen.
Als erste Reaktion auf Wallraffs Bericht wurden in dem fensterlosen Weltkriegsgebäude Schließfächer für Nutzer angeschafft und größere Einheiten in Einzelzimmer unterteilt. Türen, Wände und Stufen bekamen fluoreszierende Markierungen, Notausgangsschilder wurden angebracht, abschließbare Toilettentüren eingesetzt.
Nun läutet der Zustand der Unterkünfte in Lahe womöglich das Ende des Bunkers ein. Mit den Containern in Lahe sollte die damals ausufernde Drogenszene nördlich des Hauptbahnhofes minimiert werden. Seit 25 Jahren werden deshalb die Süchtigen tagtäglich von Treffpunkten in der Stadt eingesammelt und zum Schlafen nach Lahe gebracht. Die JUH bietet dort Therapeuten- und Sozialarbeitergespräche, Behördenhilfe und Essen an. Manch Auswegloser lebt seit Jahren in dem schlecht isolierten zweigeschossigen Bau. Mittlerweile ist der bauliche Zustand der Container bedenklich, die JUH hat sich deshalb entschlossen, einen selbst finanzierten Neubau in Massivbauweise zu errichten. Weil die Stadt das bisherige Gelände aber anderweitig vermarkten möchte, könnte der Neubau auf einem Teil des benachbarten bisherigen städtischen Werkhofes entstehen. Noch sind dafür zwar nicht alle Unterschriften geleistet, die Pläne aber bereits gereift.
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